Mikrokunststoffe in der Natur

Projektleiter: Prof. Dr. (apl.) Franz Brümmer

Mikrokunststoffe in Komposten und Gärprodukten aus Bioabfallverwertungsanlagen und deren Einträge in Böden – Erfassen, Bewerten, Vermeiden (MiKoBo) – Teilprojekt 2

Gesunde Böden zeichnen sich durch eine hohe biologische Vielfalt aus. Unterschiedliche Tiergruppen fördern die Bodenfunktionalität und -gesundheit. Daher ist es von großer Bedeutung, belastende Umwelteinflüsse möglichst früh zu erkennen und ihre Auswirkungen auf Lebewesen genauestens zu erfassen, um diese dann auch zielgerichtet vermeiden zu können.

Im Rahmen des Verbundprojekts MiKoBo, der Fördermaßnahme BWMK18002 des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, bewerten wir daher gemeinsam mit Projektpartnern den Einfluss von Mikrokunststoffen (Partikel <5 mm) auf das in diesem Zusammenhang noch wenig erforschte Umweltsystem Boden. Dabei werden sowohl herkömmliche als auch bioabbaubare Kunststoffe untersucht. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Projekt auf mögliche Einträge über Komposte und Gärprodukte. Diese organischen Dünger werden aus Bioabfällen hergestellt, welche hauptsächlich durch Plastiktüten kontaminiert sind.

Zunächst werden Methoden zur Identifizierung und Quantifizierung von Mikrokunststoffen aus dem aquatischen Bereich adaptiert und Neuentwicklungen getestet. Anschließend werden diese Grundlagen genutzt, um Mikrokunststoffe aus Komposten, Böden und Gärresten abzutrennen und zu prüfen, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß z. B. Aufwuchsorganismen zu finden sind. Hierbei kommen mikroskopische Techniken in Kombination mit quantitativ-chemischen Assays und molekularbiologischen Verfahren zum Einsatz. Des Weiteren werden ökotoxikologische Tests am Standard-Bodenathropoden Folsomia candida durchgeführt. Collembolen (Springschwänze) beeinflussen wesentliche Prozesse im Boden und sind als Primärzersetzer von abgestorbenem Pflanzenmaterial wichtige Akteure der Bodenfauna. Durch Bestimmung geeigneter Marker soll evaluiert werden, ob Collembolen als Zeigerorganismen für die Mikrokunststoffbelastung von Böden in Frage kommen.

Auf Basis all dieser Daten soll eingeschätzt werden, ob und wie Mikrokunststoffe die biologische Vielfalt verändern und welche Folgen dies z. B. für die Bodenqualität haben könnte. Um dem zukünftig vorzubeugen, werden zudem erste Empfehlungen für Vermeidungsstrategien erarbeitet.

Franz Brümmer
apl. Prof. Dr.

Franz Brümmer

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